gestohlene erinnerungen

eigentlich geben wir sie freiwillig her. oder nicht?
warum? ist das schlimm? und was, wenn ich das nicht will?

instagram, twitter, facebook, snapchat, tumblr.
sogenannte soziale netzwerke, die uns ermöglichen, unser leben mit unseren freunden zu teilen. mit freunden, der familie, der ganzen welt.

oder nur für uns selbst.
wenn wir uns künstlerisch, intellektuell, oder unseren lifestyle ausdrücken wollen und eine bühne, eine plattform dafür brauchen.

erinnerungen

eigentlich sind es erinnerungen, die wir da posten.
würde die plattform verschwinden, wären die erinnerungen weg. oder die erinnerung verschwindet a la snapchat nach 24h von selbst.
es ist eigentlich wunderbar. durchs instagram-profil scrollen und alte fotos wiederentdecken.
alte tweets wiederentdecken und cringen. tweets, die die aktuelle lebenssituation ausdrücken und diese dokumentieren sollen. um sie in zukunft wiederentdecken zu können.
social media ist viel mehr als interaktion mit mitmenschen.
social media ist auch interaktion mit sich selbst in der zukunft.

panik

was, wenn das soziale netzwerk verschwindet? oder mein account gelöscht wird? oder das unternehmen meine daten versehentlich löscht?
was, wenn das internet irgendwann einfach weg ist? was haben wir dann noch? das internet vergisst doch nicht, oder?
gibt es im internet-zeitalter noch fotoalben? oder tagebücher?
wie viele menschen haben ihre daten zuhause digital gespeichert? ist das nicht ur viel aufwand?

vertrauen

jedes foto wird automatisch auf google photos hochgeladen. jedes dokument auf google drive ist immer verfügbar. jeder gedanke ist auf google keep gespeichert. was ich auf sozialen medien poste ist verfügbar, immer online. gesichert.
ich muss mir keine sorgen darum machen, wie ich meine daten aufbewahre.

keine angst. sicherheit, vertrauen in ein paar großkonzerne.

lang lebe google

danke, google. danke, facebook. danke, dass ihr meine daten sicher aufbewahrt.
ich kann beliebig viele fotos hochladen. mein ganzes leben dokumentieren, mir keine sorgen mehr machen.
google sortiert für mich meine fotos. ich kann nach gesichtern, motiven, orten, datum suchen.
alles online. alles immer verfügbar.
utopisch eigentlich.

diebstahl

wie eine lehrerin einst sagte: sie fladern unsere daten.
womit machen großkonzerne ihr geld, wenn sie ihre dienste gratis anbieten? big data.
wir füttern deren künstliche intelligenzen mit unseren fotos, unseren posts, unserem verhalten, damit diese besser funktionieren. uns besser kennenlernen.
google kennt uns. unser ganzes leben. unsere erinnerungen.
sie können ihr wissen gegen uns verwenden und uns manipulieren. uns gezielt werbung zeigen, um noch mehr geld mit uns zu machen. sie können die daten weiter verkaufen, damit uns andere auch manipulieren können. kapitalismus.
oder dachtet ihr, es gibt keinen haken?

heute gehören all unsere erinnerungen ein paar wenigen großkonzernen. ihnen gehören unsere fotos, unsere gedanken. unsere musikgeschmäcker, unsere interessen, stärken, schwächen.
nicht, dass unternehmen alle deine daten missbrauchen. es ist die möglichkeit, dass sie es könnten. sie besitzen deine daten.

kein entkommen

was willst du schon tun? schluss mit social media? schluss mit cloud-diensten? kein google, kein facebook, kein microsoft?
kein windows, kein android mit google-apps?
du bekommst nichts mehr mit. du bist abgeschottet vom rest deiner freunde.
keine events mehr auf facebook. du musst dich irgendwie anders koordinieren.
du musst deine fotos zuhause speichern. keine cloud mehr, keine verlustsicherheit.
niemand kann dir mehr auf whatsapp schreiben.

entkommen?

du bist auf sms angewiesen, falls du deinem mobilfunker vertrauen kannst.
du bist auf deinen eigenen email-server angewiesen, falls du deinem internet service provider vertrauen kannst.
alles verschlüsselt. alles zuhause gehostet. cybersecurity wird wichtig.
inwiefern können wir dem internet überhaupt noch vertrauen?

misstrauen. abschottung. antikapitalistismus.
kein freimarkt für großkonzerne.

self-care und selbstbestimmung

wer erinnerungen zuhause speichert, kann selbst darüber bestimmten. wie strukturieren, wo speichern, mit wem sie geteilt werden sollen.
analog oder digital.
analoge daten haben einen besonderen reiz. man kann sie anfassen, man hat etwas in der hand. erinnerungsstücke, die nicht nur abstrakt am bildschirm zu sehen sind. kein unicode, sondern deine eigene schrift. viel echter.
statt last.fm deine musik öffentlich mitschreiben zu lassen und deinen gesamten musikgeschmack offenzulegen, kannst du dich selbst damit befassen. vielleicht jährlich darüber schreiben, wie sich dein musikgeschmack verändert hat.
schreiben, zeichnen, nachdenken darüber, was dich beschäftigt.
statt unbedacht tweets an die welt zu posten, kannst du für dich selbst deine gedanken aufschreiben. dich mehr mit dir selbst befassen. völlig offen, reflektierend, bewusst.

digitalisierung und globalisierung

wo sind social media und das internet falsch abgebogen? oder existiert das problem nur in meinem kopf?
oder ist dieses direkte feedback von mitmenschen doch das, was wir brauchen? was bringt mir dieser text, wenn ich ihn nicht veröffentliche und andere nach deren meinungen frage?
durch die globalisierung ist alles schneller geworden. plötzlich kann sich alle welt mit aller welt beschäftigen und mit ihr kommunizieren.
jetzt kommuniziert alle welt mit aller welt. auf ein paar wenigen plattformen, die noch weniger großkonzernen gehören.
datenkraken, die unser verhalten ausnutzen, um damit geld zu verdienen und uns gezielt werbung zu zeigen. cambridge analytica, kennt ihr.
die timeline wird so manipuliert, dass user möglichst lange in der app bleiben. und möglichst viel werbung sehen.
absichtliches süchtigmachen.
scheiß werbung, scheiß kapitalismus.
musste das so kommen? hätte der staat im kommunismus das gleiche gemacht?
und im anarchismus?

revolution

social networking, back in your hands.
plattformen wie mastodon versprechen durch open-source, self-hosting und dezentralisierung eine erlösung von den etablierten datenkraken.
aber wo hosten? auf einem server vom google oder amazon?
und, löst das das problem überhaupt?
vielleicht brauchen wir einfach weniger social media. weniger einflüsse, weniger stress.
mehr selbstbestimmung, über persönliche daten, erinnerungen, zeiteinteilung, das eigene verhalten.
wollen wir das? und wie kommen wir dahin?

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